Warum Kreislaufwirtschaft in der Verpackungsindustrie oft nur eine Illusion ist
Die Debatte um die Kreislaufwirtschaft in der Verpackungsindustrie wird laut Dr. Hermann Onusseit, einem erfahrenen Experten mit über 40 Jahren Branchenerfahrung, zunehmend kritischer. Auf der interpack 2026 stellte er klar, dass die Realität den bunten Bildern der Kreislaufwirtschaft oft nicht gerecht wird. Physikalische Gesetze und technische Herausforderungen stimmen oft nicht mit den hochgesteckten Zielen der Politik und der Industrie überein.
Onusseit zieht einen Vergleich zwischen der Vision einer perfekten Kreislaufwirtschaft und einem Perpetuum Mobile. Er erklärt, dass jeder technische Prozess mit einem gewissen Verlust einhergeht, was eine vollständige Rückgewinnung von Ressourcen nahezu unmöglich macht. Es sei zwar möglich, Verbesserungen in Recyclingprozessen zu erzielen, jedoch würde es niemals zu einem autarken und funktionsfähigen Kreislaufsystem kommen.
Besonders kritisch sieht Onusseit die Situation bei Kunststoffen. Diese sind in einer Vielzahl von Varianten erhältlich, die speziell auf bestimmte Anforderungen zugeschnitten sind. Der Erfolg des PET-Recyclings sei vor allem auf die sortenreine Sammlung durch Pfandsysteme zurückzuführen. „Wenn die Materialien erst einmal im gelben Sack landen, ist meiner Meinung nach viel verloren“, so Onusseit.
Ein weiteres zentrales Thema ist die Lebensmittelsicherheit, die sich laut Onusseit nicht überlisten lässt. Besonders die Forderung nach einer Integration von zehn Prozent Regranulat in Lebensmittelverpackungen wirft Herausforderungen auf. Die Europäische Lebensmittelbehörde (EFSA) verlangt umfangreiche Reinigungsprozesse, um potenziell schädliche Stoffe auszuschließen. Aktuell existiere jedoch kein zugelassenes Verfahren für Polyolefine, das diese Anforderungen erfüllt. Im Gegensatz dazu funktioniert das Recycling von PET aufgrund der sortenreinen Sammlung und der spezifischen physikalischen Eigenschaften vergleichsweise gut.
Onusseits Rat an Unternehmen lautet, sich nicht auf Marketingversprechen zu verlassen, sondern klare und nachweisbare Ergebnisse zu fordern. Ob beim chemischen Recycling oder in anderen Bereichen – es gilt immer, die physikalischen Gesetze und die damit verbundenen Herausforderungen zu respektieren. Er betont, dass die Verpackungsindustrie realistische Ziele setzen sollte und dass bereits eine Recyclingquote von 80 Prozent, wie sie beispielsweise im Papiersektor erreicht wird, eine beachtliche Leistung darstellt.
Zusammenfassung der Herausforderungen in der Verpackungsindustrie
- Die Vision einer perfekten Kreislaufwirtschaft ist unrealistisch und wird durch physikalische Gesetze eingeschränkt.
- Sortenreine Sammlung ist für den Recycling-Erfolg von Kunststoffen entscheidend.
- Lebensmittelsicherheit stellt hohe Anforderungen an Recyclingsysteme, insbesondere bei der Verwendung von Regranulaten.
Was Operations-Profis wissen sollten
Die Thematik um Kreislaufwirtschaft und Recycling ist für Operations-Profis von großer Bedeutung, da sie direkten Einfluss auf die Produktions- und Beschaffungsstrategie hat. Ein realistischer Ansatz zur Förderung von Recyclinglösungen könnte nicht nur Kosten senken, sondern auch die Einhaltung regulatorischer Anforderungen erleichtern.
Es empfiehlt sich, Ressourcen zu bündeln, um innovative Ansätze in der Materialbeschaffung und -verarbeitung zu entwickeln. Operations-Profis sollten Partnerschaften mit Zertifizierungsstellen und geprüften Recyclern pflegen, um die Qualität der Produkte sicherzustellen. Zudem ist eine ständige Weiterbildung über neue Technologien und Verfahren essenziell, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
Die Konsequenzen für das Tagesgeschäft sind weitreichend: Unternehmen, die unrealistische Recyclingziele verfolgen, riskieren nicht nur hohe Kosten für Compliance, sondern auch eine negative Wahrnehmung bei Kunden. Ein pragmatischer Umgang mit den Herausforderungen des Recyclings und der Kreislaufwirtschaft ist somit entscheidend für den langfristigen Erfolg.
Robert Reseneder – Interim Manager und Mentor
Tel. +49 175 265 6522
Diese Zusammenfassung basiert auf dem Beitrag PPWR vs. Physik: Dr. Hermann Onusseit über Recycling-Realitäten | interpack 2026
Quelle: packaging journal